Das Messiesyndrom

Der Begriff Messie-Syndrom (von engl.: mess, deutsch: Unordnung, die korrekte englische Bezeichnung lautet Compulsive Hoarding, deutsch: zwanghaftes Horten) bezeichnet schwerwiegende Defizite in der Fähigkeit, die eigene Wohnung ordentlich zu halten und die Alltagsaufgaben zu organisieren. Es können ernsthafte seelische Störungen vorliegen. Umgangssprachlich werden Personen mit diesem Syndrom kurz Messies genannt.

Messie – armer Mensch oder Gefahr für Menschen?

Wer kennt das nicht oder hat es schon mal gehört :

„Guck mal, da hat ein Messie gewohnt.“ Einfach schnell verurteilen, ohne zu wissen was das für ein Mensch war: „Der Messie, der war doch krank im Kopf.“

Richtig, aber was hat er für eine Krankheit gehabt ?

War er eine Gefahr für uns? Nein, ein Messie ist doch nicht ansteckend. Oder war er doch eine Gefahr für uns, etwa durch seine Sammelleidenschaft ?

Tonnen über Tonnen Papier haben die bei dem rausgeholt, das aber bis unter die Zimmerdecke.
Bei einer gewöhnlichen Wohnungsauflösung beträgt das Gewicht des Hausrates ca. 1,5 – 2,5 to.
Bei einer Messiewohnung kann es durchaus vorkommen, dass Gewichte von ca. 10 bis 15 Tonnen aus der Wohnung geholt und entsorgt werden.

Nach Schätzungen von Selbsthilfegruppen leben rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland mit Messiesyndrom. Es sind bedauernswerte Menschen, denen unbedingt geholfen werden muss.

Sie sammeln und horten Tüten, Schachteln, Joghurtbecher, Zeitungen, Elektroschrott, einfach alles. Was ein normaler Mensch als wertlos ansieht und einfach wegwirft wird von Messies als wertvoll eingeschätzt und gehortet.
Sie sind unfähig den Wert der Gegenstände einzuschätzen, sie können nicht unterscheiden, ob der Gegenstand wichtig oder unwichtig, brauchbar oder unbrauchbar ist. Er muss aber auf jeden Fall in der Wohnung bleiben, akribisch beschützt, gelagert zu all den anderen Dingen wo sein Platz ist.
Diese Art von Ansammlungen von Dingen führt oft dazu, dass in der Wohnung alles zugestellt ist. Nach jahrelangen Sammeln führen durch die Wohnung meist nur noch kleine Pfade. Der Müll oder das vermeintlich Brauchbare türmt sich zu hundertfachen übereinander.
Manche Zimmer lassen sich einfach nicht mehr betreten, es gibt kein Durchkommen mehr. Das Zimmer wird abgeschrieben und vielleicht, wenn die Tür noch zugeht, einfach verschlossen. Wenn nicht sehen wir es einfach nichtmehr, es ist nicht mehr da.
Die Waschmaschine wird unerreichbar, es werden ständig neue Sachen gekauft, bis zur Unkenntlichkeit getragen und fein säuberlich an den dafür vorgesehenen Platz archiviert und nur da.
Die Wanne wird unerreichbar, die häusliche und persönliche Hygiene wird allmählich vernachlässigt. Wenn es übel riecht wird ein Duftspray eingesetzt. Wenn es alle ist hat die Dose natürlich seinen Platz und nur da.

Die Kochplatten sind zugestellt. Wegräumen? Aber wohin? Es wird kaltes aus Dosen gegessen. Der Dosenplatz wächst, es riecht, ich brauche neues Duftspray und so dreht sich seine eigene Welt.
Der tägliche Gang zur Toilette wird zur Tortur. Vielleicht noch 4 Wochen, dann erreiche ich sie nicht mehr. Was dann?
Ach ja, da war doch noch dieses Zimmer, es wird sich schon eine Möglichkeit ergeben. Ich rieche noch nichts.
Der Mensch verwahrlost zusehends er sucht Trost in Alkohol und Nikotin. Für die leeren Flaschen und Kippen gibt es nur einen Platz und nur da.
Er baut sich seine eigene Welt auf, seine Welt in seiner Wohnung mit seinen Straßen und Wegen, seinen Sackgassen und seinen Videos, seinen Filmen, die er tausendmal sieht und mit denen er seine Welt teilt. Eine Welt, die zum Untergang verurteilt ist.

Messies sind in der Öffentlichkeit ganz normale Menschen, aber lassen keinen mehr in die eigene Wohnung. Keine Kollegen, keine Freunde, ja auch keine Verwanden, nicht mal die eigene Mutter.
Sie haben teilweise hochqualifizierte Berufe. Sie sind Lehrer, Dozenten oder Finanzberater, doch zuhause schämen sie sich wegen Ihrer Unordnung, wegen den geordneten Chaos in den eigenen 4 Wänden.

Wenn wir eine Messiewohnung betreten, erschließt sich für uns immer das gleiche Schema.
Für uns ein faszinierender Anblick, eine totale Ordnung, eine akribisch gebaute eigene Welt, die nun von uns zerstört werden soll. Bald zu schade dazu, über Jahre gewachsen.
Doch es ist unser Job, Menschen von stinkenden Müll, von Unrat, von lebenden Kühlschränken zu befreien. Die Wohnung zu reinigen und zu desinfizieren, sodass der Nachmieter ohne Sorge die Räumlichkeiten betreten und sich in seiner neuen Wohnung wohlfühlen kann.

Es stellt sich die Frage: Wo hört die Unordnung auf und wo fängt das Messietum an?

Sind wir nicht alle irgendwie ein bisschen Messie? Trennen wir uns nicht alle ungern von Sachen, die wir eigentlich nicht mehr brauchen?
Wir überwinden nur die Grenze im Gehirn und sagen, das fliegt weg, das brauch ich nicht mehr.
Ganz anders ticken Messies. Sie denken, dass sie es mal lieber aufheben möchten, man weis ja nie wann man es mal wieder gebrauchen kann. Wegschmeißen kommt gar nicht in Frage! Ich leg es ordentlich zusammen und verstau es bei den Anderen 50 oder 100 Stück oder sind es bereits 200 Stück?

Eigentlich gibt es keine Grenze.
Vielleicht ist die Grenze überschritten, wenn immer mehr in die Wohnung geschafft wird als heraus kommt.
Einzelne Räume nicht mehr betreten werden können, weil man nicht mehr laufen kann, keinen Weg mehr findet.
Die Nachbarn sich schon aufregen, dass es beim Öffnen der Tür so aufdringlich riecht.
Wenn das Bad so zugemüllt ist, dass der Bewohner das WC nicht mehr nutzen kann und anfängt Behälter, Eimer und Dosen mit menschlichen Exkrementen zu befüllen.
Ja, dann haben sie die Grenze weit überschritten. Jetzt sind sie nicht mehr nur unordentlich!

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Wieso gerät ein Mensch in diese Situation?

Es geht immer ein Ereignis vorweg.
Der Tod eines lieben Menschen, die Trennung vom Partner, ein einschneidendes Erlebnis, Arbeitslosigkeit oder eine schlechte Erinnerung an die Kindheit sind meistens die Auslöser.
Daraus entwickeln sich Verlust- und Trennungsängste. Dies überbrücken sie indem sie mit Ihrem Abfall, Müll oder auch gesammelten Gegenständen eine emotionale Bindung aufbauen. Diese Sachen enttäuschen sie nicht oder laufen gar weg. Diese Sachen bleiben in der Wohnung, sind ihr Eigentum über die sie Kontrolle haben.
Sie haben den Zwang nach außen immer den perfekten Menschen wieder zu spiegeln, sind immer gut gekleidet und verkaufen sich so, wie sie eigentlich sein wollen. Es gibt Fälle, in denen die Menschen in Ihrem Auto oder im Keller leben, weil zu Hause kein Platz mehr für sie ist. Dies ist eine zusätzliche Belastung für sie.
Das Messie-Syndrom wird bis heute noch nicht von den Krankenkassen als Krankheit anerkannt, wobei einzelne Symptome wie Essstörung, Zwangsneurose oder Depression von der Kasse abgerechnet werden können.
Es gibt in Deutschland zahlreiche Institutionen und Selbsthilfegruppen an denen sich Betroffene wenden können.

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