Badezimmer

Anruf aus Nürnberg……
Hallo Gerd Junghans, wie kann ich ihnen helfen ?
Ein Betreuer aus Nürnberg am Telefon, er war sehr freundlich, wie überhaupt Leute aus dieser
Region, aus Franken, aus Bayern und eben aus Nürnberg, hab sie irgendwie lieb gewonnen,
mit ihrem rollendem R.
Also, er beschrieb mir einen Fall eines Betreuten von ihm. Er hat ihn erst neu bekommen und
musste natürlich alles abklären. Darunter war auch die Besichtigung der Wohnung. Er
beschrieb mir fast unvorstellbare Dinge, ich merkte, wie er mit dem Eckel, mit ,…beinahe
schon mit würgen kämpfen musste. Ich sagte ihm …..kein Problem, wir reinigen ständig solche
Sachen und ich machte noch eine legere Bemerkung, „es gibt nichts, was ich nicht schon
gesehen hätte“ jedoch diesen Satz sollte ich mir in Zukunft genauer überlegen.

Wir haben einen Termin vereinbart und uns dann am nächsten Tag vor der Wohnung
getroffen. Der „Nürnberger“ war ein netter junger Mann, er stellte sich vor und wir gingen in
das Haus und er öffnete mir die Tür zur Wohnung. Schon beim Öffnen der Tür wurde er etwas
hell im Gesicht, seine Mimik veränderte sich stark, er sah auf einmal so verbissen, so anders
aus.
Ich solle mal lieber alleine rein gehen, er hätte noch einen dringenden Anruf zu tätigen sagte er
mir und sprang zur Seite, zog geschäftig sein Telefon aus der Tasche und war augenblicklich
eine Etage höher verschwunden. So stand ich nun ganz alleine vor der halb geöffneten
Wohnungstür. Ich wusste, dass der Bewohner gerade im Krankenhaus war, er hatte Probleme
mit seinem künstlichen Darmausgang und wenn er wieder in seine Wohnung kommt, soll
natürlich alles wieder schick sein, na mal sehen….
Ich zog meine Überstiefel und die Handschuhe an, danach schob ich die Tür auf. Es kam ein
warmer, nasser und zugleich von Kot, von Urin, von Ammoniak- gedrängter Duft, nein ich rede
immer von Duft, es war ein wirklich beißender Gestank, ein Gestank von allem was man kennt,
nein von allem, was man am liebsten nicht kennen möchte heraus. Ich hatte meine Maske im
Auto und wollte sie auch holen, doch ich wollte jetzt nicht erst wieder runter und dann wieder
hoch, es war im 3.OG. Nun gut, ich gehe ohne Maske rein, es wird schon nicht so schlimm
werden, der Mieter hat ja bis vor 3 Tagen noch hier gewohnt, also wird es schon gehen.
Ich holte noch einen tiefen Schnapper Luft und verschwand in der Wohnung. Es war keine
gute Atmosphäre, überall schwere Möbel mit Schnitzereien, Landschaftsbilder mit röhrenden
Hirschen und dann noch ausgestopfte Tiere, Marder, Vögel, irgendwelche Bussarde, die
allesamt etwas verband, nämlich Spinnweben, aber was für welche, teilweise sah es so aus,
als wurde alles mit Gardinen oder mit Zuckerwatte bespannt, so starke Spinnweben und alles
verdreckt, so verdreckt….
Der Betreuer aus Nürnberg hätte mir ja wenigsten mal sagen können, wo sich das
Badezimmer befindet, oder sollte ich einfach dem Geruch folgen….?
Da war eine Tür, da war ein Schild mit der Aufschrift, „ verlasse diesen Ort immer so, wie du
ihn vorgefunden hast“, jetzt war ich platt, sollte ich lachen oder sollte ich , ja, ich mach erstmal
die Tür auf und schaue hinein, dann urteile ich über das Schild.
Die Türklinke noch in der Hand machte ich einen Satz nach hinten. Was war denn das?
Sofort kam mir mein Satz wieder ins Gedächtnis „Es gibt nichts, was ich nicht schon gesehen
habe“
Oh Gott! Was ist hier passiert? Was hat er hier gemacht? Wie funktioniert sowas? Einfach
unvorstellbar. Da stockte selbst mir der Atem.
Die nebensächlichste Frage ist hier nur: Wie kommt menschlicher Stuhl an die Decke vom
Bad?
Die erste Frage, die man sich hier stellen muss lautet: Wie viele Tage, nein Monate, nein
vielleicht sogar Jahre hat das hier gedauert, bis sich so ein Bild darstellt?
Das ganze Bad ist braun, überall, die Wände sind bis ca. 2,0 m oder sogar 2,50 m hoch
vollflächig mit einer braunen, ich nenne es mal hier ganz human, mit einer braunen Substanz
überzogen, bestimmt so ca. 2-3 cm stark. Im oberen Teil ist es dann nicht mehr so dicht, man
kann jetzt die darunterliegenden Fliesen oder die Tapete erkennen, so genau sieht man es
nicht.
Jetzt kommt noch die Frage der Fragen. Wie kommt menschlicher Stuhl an die Decke ?
Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was hier passiert ist.
Das Waschbecken und die Wanne, es ist einfach nicht zu beschreiben, sie sind bis zum Rand,
kurz vorm überlaufen, oder schon mal übergelaufen, bis zum Rand mit menschlichen Stuhl
gefüllt. Es stinkt so stark, man denkt: ich will hier raus…
Der Anblick des Toilettenbeckens ist, wie soll ich es sagen, ist einfach ich weiß auch nicht.
Der Deckel ist geschlossen, dennoch hat er seine Notdurft immer und immer wieder darauf
verrichtet.
Man könnte denken, das geht nur noch mit einer Leiter, denn die „Spitze“ des „Berges“ ist
bestimmt 1,20 m hoch. Einfach unvorstellbar, unvorstellbar.
Wenn ich ihnen aber sage, dass wir nach der Auftragsübergabe nur ca. 8 Stunden gebraucht
haben um alle Hinterlassenschaften zu beseitigen und daraus ein einigermaßen ansehnliches
Bad zu machen….
Es ist halt unsere Arbeit und wir machen sie gerne, denn es gibt nichts, was wir noch nicht
gesehen haben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.